29. Juni 2017: Weinheimer Nachrichten-Odenwälder Zeitung

29. Juni 2017: Weinheimer Nachrichten

Stimme voller Glut und Farbe

Anna Alàs Jové beim ersten Hirschberger Liedfest

 

kö. Liedfreunde kommen gut auf ihre Kosten in unserer Region. Ein neues Liedfestival präsentierte der Kulturförderverein Hirschberg in der ehemaligen Synagoge unter der künstlerischen Leitung des Pianisten Alexander Fleischer. Unter der Schirmherrschaft von Thomas Quasthofffand dieses 1. Hirschberger Liedfest nun an der Bergstraße statt. Drei junge und bereits sehr erfolgreiche Sänger begleitete Fleischer dabei an drei Tagen am Klavier: den Bariton Nikola Diskic vom Nationaltheater Mannheim, den Schweizer Bariton Manuel Walser (Staatsoper Wien) sowie die spanische Mezzosopranistin Anna Alàs i Jové.

2010 gewann die Sängerin zusammen mit Alexander Fleischer den zweiten Preis beim Stuttgarter Wettbewerb für Liedkunst der Hugo-Wolf-Akademie. Katalanische Liederzyklen standen im Zentrum ihres Vortrags, darunter die „Seis canciones“ von Eduard Toldrà. Die iberische Glut und Farbe vermittelt die Sängerin sehr authentisch. Daneben entwickelte sie sehr viel Sinnlichkeit mit ihrer farbenreichen, schmiegsamen Stimme.

Innere Dialoge mit der verstorbenen Geliebten werden in Frederic Mompous Zyklus „Combat del somni“ ausgetragen. Eine unwirkliche Stimmung schuf das Liedduo dabei mit innig-zarten, herrlich schattierten Farbenströmen der Sängerin und traumhaft schwebenden Klavierklängen. In packender Eindringlichkeit gestaltete Psychogramme entstanden dabei. Wie einen Rubin ließ Anna Alàs i Jové ihren Mezzo funkeln und leuchten, fing die melancholischen Stimmungen von Manuel Blancaforts „Quatre cancons“ wunderbar ein.

Tänze und Rhythmen aus Kuba hat Xavier Montsalvatge in seinen „Cinco canciones negras“ verarbeitet. Glühende Ornamente, verführerische Nuancen ließ die Mezzosopranistin dabei schillern: Die Tanzrhythmen, Tangos, Habaneras und kreolischen Rhythmen erfüllte das Duo mit gewitztem Charme und mit ebensoviel mitreißendem Temperament. Hellwach und seismographisch fein begleitete Alexander Fleischer am Klavier, schürte die Gefühle und Leidenschaften, die ausgesungen wurden, mit bestem Gespür.

von Rainer Koehl

28. Juli 2017: Rhein-Neckar-Zeitung

27. Juni 2017: Weinheimer Nachrichten-Odenwälder Zeitung

Lieder zwischen Karibik und Moll

 

Anna Alàs i Jové, Mezzosopran, begeisterte am zweiten Abend des Liedfestes Hirschberg. Mit spanischen Liedern verbindet man normalerweise die Musik, die in dieser Jahreszeit an Strandbars aus den Boxen schallt: Gitarrenlastiger Gute-Laune-Pop, bei dem man allenfalls „Baila, Baila“ mitsingen kann. Bei katalanischem Liedgut denkt man vielleicht an die samtige Stimme von José Carreras, mit der er traditionelle Melodien singt. Was im letzten Jahrhundert an Kunstliedern geschrieben wurde, ist dagegen hierzulande ziemlich unbekannt – ein Missstand, dem die katalanische Sängerin Anna Alàs i Jové am zweiten Abend des Hirschberger Liedfestes abhelfen will.

Das Interesse daran ist groß, die Synagoge ist gut besucht. Das deutsche Wort „Lied“, sagt die Mezzosopranistin eingangs, habe sich auch im Ausland durchgesetzt; doch die katalanische Musik habe ihren eigenen Charakter und sei vor allem melancholisch, grinst sie: „Alles ist in Moll, am Ende hat man vielleicht Lust, sich umzubringen.“ Während ihr Klavier-Begleiter, Fest-Organisator Alexander Fleischer, betont, dass zwischen spanischer und katalanischer Musik durchaus ein Unterschied bestehe, hebt die Sängerin ab auf die vielen Einflüsse, etwa aus Kuba oder Frankreich, die die Musik auf der iberischen Halbinsel prägten. Dazu kommt sie ganz zum Schluss des Abends, dessen Musik abwechselnd in katalanischer und spanischer Sprache gesungen wird.

Dabei kann man sich ganz ihrer Stimme hingeben, die mit einem erstaunlichen Umfang noch bis in die höchsten Töne sicher und klar ist und die alle emotionalen Klangfarben beherrscht, mal streng-abgehackt oder dramatisch, mal butterweich und verlockend; mit einem entspannten Lächeln steht sie da auf der Bühne, beinahe intuitiv begleitet von dem Mann am Klavier.

Hin und wieder gibt sie Erklärungen zu den Stücken, ansonsten helfen auch die Mitglieder des Kulturfördervereins: Sie verteilen Blätter mit deutschen Übersetzungen, die einen Einblick geben in die ungeheure Vielfalt und Poesie der Texte. Ein verliebter Mann bewundert seine Angebetete aus der Ferne, ein anderer besingt die Farbe eines Augenpaars, und ein Mädchen bittet die strenge Mutter um Nachsicht: Wenn sie einmal verheiratet sei, „werden tausende Arbeiten mir übrig bleiben, meine Freude wird aber fehlen.“ Deshalb soll sie ihr doch jetzt noch ein bisschen Spaß gönnen. Manches schafft nicht den Weg ins Herz – zu modernistisch sind einige Stücke aufgebaut, zu künstlich wirken die traditionellen Versatzstücke im dissonanten Kontext.

Aber manchmal muss man schlucken, etwa bei der Vertonung eines Gedichts von Josép Janés; er besingt seine Schwärmerei für eine Sängerin, die eines Tages tot in ihrem Bett gefunden wird.

Am Ende gibt es schließlich die versprochenen karibischen Rhythmen. Xavier Montsalvatge schrieb 1945 seine „Cinco canciones negras“; eingängige Melodien und Texte über das schwere Leben der schwarzen Bevölkerung machen den Liederzyklus zu einer hintergründigen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Antillen. Im „Canción para dormir a un negrito“ geht es um einen kleinen schwarzen Jungen. „Kokosnusskopf, Kaffeebohne“, wird das Kind in dem trügerischen Wiegenlied genannt, „mit großen Augen wie zwei Fenster zum Meer hinaus“. Ein Vers, der dem Konzert auch seinen Namen gegeben hat. Es klingt aus mit zwei begeistert beklatschten Zugaben

stk

27. Juni 2017: Rhein-Neckar-Zeitung

26. Juni 2017: Weinheimer Nachrichten-Odenwälder Zeitung

Erstes Hirschberger Liedfest

Gut besuchter Auftakt mit dem Liederabend „Erlkönig“ in der Alten Synagoge in Leutershausen

 

LEUTERSHAUSEN. Als älterer Mann hatte Franz Liszt zu seinen ersten Lied-Bänden ein gespaltenes Verhältnis. „Viel zu aufgebläht, sentimental und in der Begleitung überladen“, fand er sie. „Es war ein König in Thule“ und „Die drei Zigeuner“ zählen zu diesen 1943/44 entstan-denen Liedzyklen und gehörten jetzt zum Auftakt-Programm des „Ersten Hirschberger Liedfestes“.

Pianist und Fest-Organisator Alexander Fleischer hatte sie gemeinsam mit Bariton Nikola Diskic einstudiert, ebenso wie „Die Vätergruft“, geschrieben nach einem Gedicht von Ludwig Uhland. Dessen Epos über Heldengeister, den „Greis im Waffengeschmeide“ und seinen noch leeren Sarg „an kühler Stätte“ macht Liszts Kritik durchaus nachvollziehbar. Doch sich selbst tat der Komponist Unrecht, denn er kleidete die schwülen Verse in eine einfühlsame Melodie mit flüssiger Klavierbegleitung, wunderbar interpretiert von den beiden Künstlern. Sie wollten „Geschichten erzählen, das Publikum damit berühren“, erklärte Fleischer eingangs, ebenso wie Monika Maul-Vogt vom Kulturförderverein entzückt über die voll besetzten Stuhlreihen in der Alten Synagoge.

Der Abend war mild, die geöffneten Fenster ließen frische Luft ins Innere und die Akustik trug die volle Stimme Diskics in den Raum. Sie entführte in die Zeit des Biedermeier, als die Form des Kunstliedes mit Klavierbegleitung die bürgerliche Gesellschaft eroberte; am Beginn des Abends stand sozusagen dessen Erfinder, Franz Schubert. Sein Lied über den Wanderer erzählte von der Fremdheit eines Reisenden, vielleicht auch der Einsamkeit des Komponisten und stimmte ein auf die besondere Mischung aus Mystik, volkstümlichen Themen, lyrischem Gesang und melodischer Begleitung, die aus jedem Stück ein eigenes, kleines, dank mancher schwülstigen Texte auch mal etwas skurriles Kunstwerk machte. Da gab es humorvolle Geschichten wie die von den verkleideten Mönchen in einem Stück Hugo Wolfs, oder das „Liederbuch des Hafis“ von Viktor Ullmann, in dem von einem Trinker und dessen Leidenschaft erzählt wird. Diskic mimte überzeugend den torkelnden, unterdrückt rülpsenden und ein wenig zu ernsten Betrunkenen, der im wahrsten Sinne des Wortes zwischen Komik und Tragik schwankte. Da gab es Schuberts „Zwerg“ und da gab es auch Carl Loewes Balladen, die überzeugend den damaligen Zeitgeschmack verkörperten. Sie erzählten vom Vatermörder Edward, von einem Schmied, der das Pferd von Göttervater Odin beschlägt und von dem Dichter Tom, der einer Elfe ins Feenreich folgt, begleitet vom lautmalerischen Geplätscher eines Bachs und von silbernen Glöckchen, die Fleischer mit so leichter Hand darstellte, dass man stundenlang hätte zuhören können.

Doch dann ging es mitten hinein in den magischen Wald des „Erlkönigs“, durch den der Vater mit seinem Sohn reitet. Wie die Pferdehufe auf den Waldboden, so hämmerte die rechte Hand des Pianisten auf die Tastatur, während die Linke die düstere Melodie vorgab, in die die mächtige Stimme des Baritons einfiel. Diskic rührte als verängstigtes Kind und faszinierte in den Rollen des beruhigenden Vaters und des lockenden Erlkönigs, Fleischers virtuose Begleitung begeisterte – viel zu schnell war das Kind in den Armen des Vaters gestorben; auch wenn man den Schluss mit den beiden harten Akkorden kannte, erwischte er einen diesmal kalt. Das Publikum brauchte ein paar Schrecksekunden, doch dann fiel der Beifall umso kräftiger aus. Die Musiker dankten dafür mit zwei Zugaben, darunter Hugo Wolfs „Der Schreckenberger“, mit denen der Abend ausklang – eine gelungene Premiere für das „Hirschberger Liedfest“.

stk

12. Juni 2017: Ubi Bene

30. Mai 2017: Rhein-Neckar-Zeitung

Drei Tage lang "Lied erleben"

Mit hochkarätigen Künstlern steigt vom 23. bis 25. Juni das "1. Hirschberger Liedfest" in der Ehemaligen Synagoge

von Anja Stepic

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30. Mai 2017: Weinheimer Nachrichten