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24.10.2018: Weinheimer Nachrichten

Ekstatische Cluster und zarte Momente

Hirschberg. Dass dies kein normaler Liederabend in der Alten Synagoge in Leutershausen werden würde, hatte der künstlerische Leiter des „Zweiten Hirschberger Liedfestes“, Alexander Fleischer, bereits im Vorfeld angekündigt.

Umso großartiger, dass Fleischer mit Moritz Eggerts „Neue Dichter Lieben“ – Uraufführung war 2000 zur Expo in Hannover – sein Festival nicht nur auf Altbekanntes beschränkt. Er selbst begeistere sich sehr für Neue Musik und konnte mit dem ebenfalls in diesem Bereich sehr versierten Bariton Peter Schöne einen Mitstreiter par excellence gewinnen.

Bereits nach den ersten Liedern war klar, was für ein unterhaltsamer Liederabend es werden sollte. Dabei half es den Zuschauern, dass der Bariton zwischen einigen Liedern mit Episoden als Erklärungen zum Werk und seiner Arbeit im Bereich der Neuen Musik ansetzte.

Dadurch, dass Eggert nicht auf alte Texte zurückgriff, sondern aktuelle Lyriker wie Franz Xaver Kroetz, Sarah Kirsch oder Ulla für sein Werk ansprach – wie es Schubert oder Schumann zu ihren Zeiten ebenfalls taten – greift der Komponist einen Zeitgeist auf, der inspiriert, nicht selten kokettiert und ironisiert, aber dabei immer nah an der heutigen Welt ist. So lässt sich textlich in den Kompositionen Eggerts auch eine Lust und Hingabe zu Erotik und Sexualität nicht verbergen. Diese wirkt aber nie befremdlich, sondern immer musikalisch untermauert, sei es von ekstatischen Clustern oder zarten, fast tonalen Momenten.

Peter Schöne kann das auch mit seiner Stimme darstellen. Der Bariton hat einen warmen Schmelz in den ruhigen zärtlichen Momenten, kann aber auch zupacken und mit einem Forte aufwarten, in dem man nicht überhören kann, dass Schöne auch auf der Opernbühne glänzt. Doch das Wichtigste ist, dass alles, was er an immensen stimmlichen Farben und Mitteln zeigt, immer authentisch und existenziell wirkt.

Zu all diesen Wundertaten kann sich der Bariton aber auch so leicht aufschwingen, da er in Alexander Fleischer einen Begleiter hat, der ihm bei aller ungewöhnlichen Arbeit am Flügel den Raum und die Unterstützung dafür bietet. Fleischer erschafft seltene Töne, das Instrument wird perkussiert, die Seiten werden gezupft, Fleischer selbst spricht, singt, klopft und schreit in vollkommener Selbstaufgabe. Eine Meisterleistung des Pianisten, bei welcher er nie vergisst, einfühlsam und ausdrucksstark der Partner seines Sängers zu sein.

Ob es die vier klassischen Einschübe von Liedern Robert Schumanns gebraucht hätte, ist sicherlich Geschmackssache. Doch auch wenn Eggerts Werk allein für sich mehr als befriedigend gewesen wäre, muss man erstaunt feststellen, dass man auch selten einen so frischen und aktuellen Schumann zu hören bekommt. Das Publikum dankte den beiden Künstlern mit Freude und durch das Werk beschwingter Begeisterung und man kann nur hoffen, dass Fleischer in den kommenden Hirschberger Liedfesten, die bereits geplant sind, wieder solchen Trüffel Neuer Musik ausgräbt.                                                                                                                                                                                                 kda

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